Die Bäume vor dem Haus der Kunst haben mittlerweile alle Blätter verloren und öffnen nun den Blick auf das wohl grösste Werk der Ausstellung Ai Weiweis in München: 9000 bunter Rucksäcke in den Farben des Spielzeugherstellers Toy’R'Us. Sie ergeben einen Schriftzug, der an die Erdbebenopfer der Provinz Sichuan 2008 erinnern soll.
Der chinesische Künstler übt Kritik. An der Regierung seines Landes, an der Absurdität der fortwährenden Innovationswut und Verleugnung von Fakten und Traditionen, und er stellt Althergebrachtes und Neues in den Zusammenhang. Viertausend Jahre alte Vasen, die in knallbunte Industriefarbe getaucht wurden. Skulpturen aus dem Holz uralter Tempel, die dem Fortschritt weichen mussten.
Ai Weiwei erzählt über die Vergangenheit mit den Mitteln der Gegenwart. Er ist auf Social Media Websites (mehr oder weniger) aktiv und schreibt, nachdem sein Blog durch die chinesische Regierung gesperrt wurde, auf den Seiten des Haus der Kunst: http://aiweiwei.blog.hausderkunst.de.
Die Ausstellung ist noch bis zum 17. Januar 2010 zu sehen und ein Besuch in jedem Fall lohnenswert.
Improv Everywhere ist eine Organisation in den USA, die 2001 von Charlie Todd gegründet wurde und für die wohl besten Flashmobs verantwortlich, die man auf YouTube und anderswo sehen kann.
Seit wenigen Tagen ist die neueste Mission online. Mit Flashmob hat das schon nichts mehr zu tun; das ist eine sehr professionell durchgeführte Aktion, bei der sieben “Passanten” ein spontanes Musical aufführen. – I love lunch!
Monocle hat in der neuesten Ausgabe (Issue 28, November 09) einen hübschen “Small Business Guide” beigelegt. Neben zehn gut fotografierten Erfolgsgeschichten gibt es Tips zur geeigneten Location und dem richtigen Interieur des eigenen Büros oder Ladens. Ein Aktionsplan führt den Leser von Step 1 (Name) über Website, Staff, Community zu Play – also feiern. Yeah.
Das englische Magazin portraitiert bzw. erwähnt übrigens auch vier deutsche Unternehmen: das Designbüro Mirko Borsche, die Lunge Laufschuhmanufaktur, den Sportartikelhersteller Vaude und die Softwarefirma Ableton, deren Gründer Gerhard Behles das wohl beste Zitat beisteuert: “Make a product that you need. Hire only people who are better than you. Learn to look at it from the outside. The rest is luck.”
Manch einer kann sich noch an gewaltige Schuber erinnern, aufwendig bedruckte Bücher, die die Mitarbeiter eines Unternehmens in die Geheimnisse des Corporate Designs einweihten. Alle paar Jahre gab es eine neue Ausgabe, die wie die zehn Gebote in Stein gemeißelt in den Regalen standen.
Umständlich war das. Die Produktion des Buches bzw. der Bücher war oft mit hohen Kosten verbunden, der Rollout eine Sache von Monaten und die Aktualisierungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Hier musste man Umwege mit Einlegeblättern gehen und “was war da jetzt nochmal die letzte Version?”
Corporate Design Management wurde durch das Web einfacher. Die meisten großen Unternehmen sind inzwischen mit entsprechenden (internen) Plattformen online. Hier finden die Nutzer Layout-Vorlagen, Gestaltungsrichtlinien, Bilddatenbanken, hilfreiche Applikationen. Von den Mitarbeitern und deren externen Partnern werden diese Serviceangebote meistens sehr gerne angenommen – und gebraucht.
Im Rahmen der Projekte, die ich in den vergangenen Jahren in diesem Umfeld begleitete, habe ich die Erfahrung gemacht, dass eines jedoch garantiert nicht funktioniert: Kollaboration.
Die Nutzer einer Corporate Design Plattform sind nicht daran interessiert, sich über bestimmte Themen beispielsweise innerhalb eines Forums oder einer Social Media-ähnlichen Anwendung auszutauschen. Sie suchen nach einem umfänglichen Service und brauchen bei Bedarf einen Kontakt-Button, hinter dem ein verlässlich und kompetent antwortender Ansprechpartner steckt. Mehr nicht.
Draußen fallen die Blätter von den Bäumen, wenn es nicht gerade regnet, ist es neblig oder grau, jedenfalls immer dunkel und die einzigen Feiertage in diesem Monat laden auch nicht wirklich zum feiern ein. Und was titelt der Focus in seiner heutigen Ausgabe? “Depressionen”.
Ich frage: Will das wirklich irgendwer lesen? Müssen Medien der Stimmung im Land denn immer nur folgen? Oder sollten sie sich nicht eher dadurch positionieren, die Meinung zu machen, zu polarisieren, Gegenentwürfe aufzuzeigen? Die Leute im wahrsten Sinne des Wortes auf andere Gedanken bringen. Stattdessen: Depressionen. Wer braucht das?
In der Praxis meines Zahnarztes hängen sommers Fotografien von Pinguinen und Eisbären, in den Wintermonaten traben serengetibesonnte Zebras und Löwenfamilien durch die Bilderrahmen. So ungefähr stelle ich mir ein gutes Magazin vor.
Ich berate und unterstütze Unternehmen im Bereich Digitale Kommunikation und Brand Management.
Wenn es darum geht, neue Ideen zu entwickeln, Management, Kollegen und Mitarbeiter dafür zu gewinnen, Projekte anzuschieben, Agenturen und Dienstleister zu finden und zu koordinieren und die Dinge zum Erfolg zu führen, sind Sie bei mir richtig.